Perspektiven für Anleger
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Perspektiven für Anleger
Trotz Lichtblick – warum für Anleger eine starke Defensive wichtig bleibt
2026 / Ausgabe 4 (Juli)
- Die Aussicht auf Frieden im Iran wirkt sich positiv auf Ölpreise, Inflation und Wirtschaftswachstum und damit letztlich auf die Aktienmärkte aus
- Zudem unterstützen die derzeit starken Gewinne der Unternehmen sowie der anhaltende Boom im Bereich Künstliche Intelligenz die Aktienkurse
- Dennoch gibt es Risikofaktoren, weshalb Anleger weiter gut diversifiziert bleiben sollten
Die Defensive zählt
Wer wissen möchte, welche Nation am 19. Juli Weltmeister wird, sollte sich einmal die Abwehrreihen der einzelnen Mannschaften genau anschauen. Denn wie heißt es so schön: „Der Angriff gewinnt das Spiel, die Abwehr die Meisterschaft.“ Eine Fußballweisheit die sich gut auf die Geldanlage übertragen lässt. Denn immer wieder setzen Anleger vor allem auf den Angriff, also auf genau das, was gerade gut läuft. Dies muss nicht falsch sein, vielmehr entspricht das der Momentum-Strategie, bei der man genau so vorgeht. Anleger nutzen dabei die häufig zu beobachtende Entwicklung, dass Aktien, die gut laufen, sich oft weiter besser entwickeln als der breite Markt.
Aber trotzdem sollte man immer einen Blick auf die Defensive haben – auch wenn sich das Umfeld aktuell bessert. Den stärksten Einfluss auf die Märkte haben derzeit die laufenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Ob daraus ein nachhaltiger Frieden wird, ist zwar fraglich. Immerhin hat US-Präsident Donald Trump Medienberichten zufolge 38mal verkündet, dass ein Deal mit dem Iran kurz bevorstehe. Dennoch sind die Märkte derzeit dabei, eine Einigung in dem Konflikt einzupreisen.
Entspannung bei Ölpreis und Inflation
Ölpreis Brent – US-$ pro Barrel
Zeitraum24.06.2021 bis 24.06.2026
Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.
Konjunkturelle Aussichten leicht eingetrübt, aber robust
Auch bezogen auf das Wirtschaftswachstum hat der Iran-Krieg Folgen. So geht der Internationale Währungsfonds für die Weltwirtschaft nach zunächst 3,3 Prozent nun nur noch von einem Plus von 3,1 Prozent aus. Für die USA hat er seine Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent zurückgenommen, für die Eurozone von 1,3 auf 1,1 Prozent und für Deutschland von 1,1 auf 0,8 Prozent. Dennoch entwickelt sich die US-Wirtschaft robust, wobei weiterhin Arbeitsplätze geschaffen werden. Dazu könnte der niedrigere Ölpreis dafür sorgen, dass sich die Konsumentenstimmung wieder verbessert. Außerdem stützen die immensen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI), die konjunkturelle Entwicklung.
Dass die Inflationserwartungen zurückgehen ist aber vor allem für Europa und Asien ein gutes Zeichen, da beide Regionen in stärkerem Maße von Öl- und Gaslieferungen abhängig sind. Dazu kommen in Deutschland sowie in Europa insgesamt fiskalpolitische Impulse und diverse Investitionsprogramme in Infrastruktur, die das Wachstum weiter beleben könnten. Und auch eine weitere Entwicklung gilt es im Blick zu behalten: Denn zuletzt mehrten sich die Anzeichen dafür, dass es zu einer Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Russland und der Ukraine kommen könnte. Sollten dort tatsächlich die Waffen schweigen, könnte dies ein Impuls für europäische und gerade auch für deutsche Aktien sein.
Starke Aktienmärkte
In diesem gesamten Umfeld hat sich der Aktienmarkt sehr gut entwickelt. Vor allem die US-Börsen haben zuletzt immer neue Rekordhochs erzielt, angetrieben vom Boom im KI- und Halbleiterbereich, aber auch von sehr starken Quartalsergebnissen. So übertrafen in den USA vier von fünf Unternehmen die Umsatzerwartungen, die Zahl der Firmen, die die Gewinnerwartungen übertrafen, lag sogar leicht darüber. Insgesamt lag der prozentuale Gewinnzuwachs der US-Unternehmen im ersten Quartal im Durchschnitt im mittleren Zehnerbereich. Und mit dem gelungenen Börsengang von SpaceX ist zudem ein Risikofaktor aus dem Markt. Die Neuemission war Medienberichten zufolge massiv überzeichnet. Das Emissionsvolumen lag bei 75 Milliarden Dollar – es war damit der größte Börsengang aller Zeiten.
Aktienmarktentwicklung Eurozone und USA im Vergleich
Zeitraum vom 24.06.2021 bis 24.06.2026
Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.
IBES Gewinnwachstum in den nächsten 12 Monaten
in Prozent, Zeitraum vom 24.06.2021 bis 24.06.2026
Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.
Risiken nicht vernachlässigen
Dazu kommen weitere Unwägbarkeiten. Eine Gefahrenquelle liegt im Private-Credit-Markt, der zuletzt etwas aus dem Fokus geraten ist. Bei diesen privat vergebenen Krediten insbesondere im KI-Bereich besteht das Risiko, dass es an irgendeiner Stelle zu einem Zahlungsausfall kommt. Zudem werden sichere Staatsanleihen aufgrund der gestiegenen Anleiherenditen attraktiver und zunehmend zur Konkurrenz für Aktien. Und schließlich dürfen Anleger die anhaltend hohen geopolitischen Risiken nicht außer Acht lassen. Genau deshalb ist es – um im Bild des Fußballs zu bleiben – so wichtig, die Verteidigung nicht zu vernachlässigen.
Das bedeutet auf der Aktienseite gut und breit zu diversifizieren, und zwar nach Regionen und Branchen und auch nach Unternehmensgröße. Denn Nebenwerte sind nach wie vor günstig bewertet. Zugleich gilt es, andere Anlageklassen zu nutzen, um breiter zu streuen. Dafür bieten sich festverzinsliche Wertpapiere an, die mit einem Renditerückgang über alle Laufzeiten hinweg auf die Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran reagiert haben. Dort gilt es allerdings genau hinzusehen. Denn nicht alles eignet sich. Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich oder Hochzinstitel bieten nur noch sehr niedrige Renditeaufschläge gegenüber sicheren Staatsanleihen. Mit anderen Worten: Anleger werden für das Risiko, das sie damit eingehen, nicht mehr ausreichend belohnt.
Sichere Staatsanleihen als Alternative
Eine nach wie vor gute Alternative als Diversifikator sind europäische Staatsanleihen guter Bonität. Hier kann sich weiter eine sogenannte Barbell-Strategie anbieten, also die Kombination aus Investitionen am Geldmarkt und in länger laufenden sicheren Staatsanleihen. Der Gedanke dahinter: Papiere mit sehr kurzen Laufzeiten sind weniger zinssensitiv und bieten damit Schutz, wenn die EZB die Zinsen weiter erhöht. Titel mit langen Laufzeiten bieten dagegen höhere Renditechancen, wobei das Zinsniveau in diesem Bereich bereits relativ hoch ist.
Zudem eignet sich Gold als Diversifikator. Das Edelmetall hat seit seinem Höchststand im Februar dieses Jahres bei über 5.400 Dollar je Feinunze laut Onvista ein Viertel an Wert eingebüßt. Allerdings müssen Anleger bedenken, dass die derzeit höheren Zinsen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold in die Höhe treiben. Es ist deshalb denkbar, dass es noch zu weiteren Preisrückgängen kommt, ehe sich das Edelmetall wieder erholt.
Goldpreis
Zeitraum vom 24.06.2021 bis 24.06.2026
Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.
Fazit
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