IBB MarktNavigator
Perspektiven für Anleger

IBB MarktNavigator
Perspektiven für Anleger

Massive Unsicherheit – wie Anleger trotzdem die Nerven behalten

Andreas Kneidl

Leiter Asset Management

andreas.kneidl@ibb-ag.com
+49 7541 304-413

  • Der Iran-Krieg wirkt sich inflationstreibend und wachstumshemmend auf die Weltwirtschaft aus
  • Wie schlimm die Auswirkungen sein werden, hängt letztlich aber davon ab, wie lange der Krieg dauert, was derzeit niemand genau einschätzen kann
  • Angesichts dieses unsicheren Umfeldes, der zum Teil nach wie vor hohen Bewertungen am Aktienmarkt und der Risiken im Private-Debt-Bereich sollten Anleger weiter darauf achten, keine zu großen Risiken einzugehen

Sicherheit vs. Unsicherheit

Sicherheit zählt zu den Urinstinkten des Menschen. Weil sie für das Wohlbefinden, das Überleben oder auch für die physische Gesundheit wichtig ist, ist Sicherheit ein elementares Grundbedürfnis. Umgekehrt formuliert bedeutet Unsicherheit Stress. Sehr deutlich erfahren das derzeit auch Anleger. Für Investoren stellt Unsicherheit eine der größten Bedrohungen dar, weil sie leicht zu emotionalen Fehlentscheidungen führen kann. Da ist es eine schlechte Nachricht, dass die Unsicherheit selten so groß war wie aktuell. Der größte Unsicherheitsfaktor: Der Krieg im Iran, bei dem niemand weiß, wie lange er andauern wird.
Wenig hilfreich sind dabei die Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Nicht nur, dass die Begründung für den Krieg immer wieder wechselte, auch gab er teils widersprüchliche Statements zur Entwicklung ab. Am 10. März sagte er, dass der Krieg „so gut wie beendet“ sei. Wenige Tage danach schrieb er: „Wir haben gewonnen.“ Einen Tag später aber forderte Trump die Unterstützung der Nato-Partner, am 22. März stellte er dem Iran ein Ultimatum und Ende März wurden gar Bodentruppen in die Region verlegt. Nachdem der Iran immer wieder bestritten hat, dass Gespräche überhaupt stattgefunden haben, wurden diese zuletzt eingeräumt. Darin sehen wir einen ersten Hoffnungsschimmer auf ein Ende der Auseinandersetzungen.

Inflation steigt

Da aber niemand abschätzen kann, wie lange der Krieg dauert und ob es nicht zu einer noch stärkeren Eskalation kommt, ist ein seriöser Ausblick auf die Wirtschaft und die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten schwierig bis unmöglich. Schließlich hängt von der Länge dieses Krieges maßgeblich ab, wie gravierend die Folgen sein werden. Je länger der Krieg dauert, desto höher steigen der Ölpreis und die Inflation und desto mehr könnte das globale Wachstum beeinträchtigt werden. Die vergleichsweise optimistischen Prognosen zur Wirtschaft zu Jahresbeginn sind längst obsolet. Denn aufgrund der Blockade der Straße von Hormus kommt es zu Lieferengpässen bei Öl, Gas und Düngemitteln. Das treibt zum Beispiel den Ölpreis nach oben: Die Notierung für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent kletterte zwischen dem Kriegsbeginn am 28. Februar und Ende März um über 50 Prozent auf knapp 107 Dollar.

Ölpreis Brent – US-$ pro Barrel

Zeitraum 01.04.2021 bis 31.03.2026

Das Chart zeigt die Entwiclung des Ölpreises in für die Sorte Brent in US$ / Barrel. Man sieht den extremen Anstieg im letzten Monat

Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.

Aber auch die Inflation steigt. Hierzulande ist die Teuerungsrate im März ersten Schätzungen zufolge auf 2,7 Prozent von 1,9 Prozent im Vormonat gestiegen. In der Eurozone kletterte die Inflation von 1,9 Prozent auf zuletzt 2,5 Prozent. Diese Gemengelage aus einem niedrigerem Wachstum und höherer Inflation – womöglich kommt es gar zu einer Stagflation – bringt die Notenbanken in ein Dilemma. Einerseits erfordert die steigende Inflation höhere Zinsen, andererseits wären höhere Zinsen bei einem Wachstumseinbruch Gift für die Konjunktur. Die Anleihemärkte jedenfalls haben angefangen, eine höhere Inflation und steigende Zinsen einzupreisen. So sind die Renditen der zehnjährigen Bundes- und US-Staatsanleihen seit Kriegsbeginn nach oben gegangen. Und auch bei Unternehmens- und Hochzinsanleihen kam es jeweils – von sehr niedrigem Niveau aus – zu einem Anstieg der Renditen und leichten Kursverlusten.

Renditen von Staatsanleihen

Zeitraum von 31.03.2021 bis 31.03.2026

Das Chart zeigt die Entwiclung des Ölpreises in für die Sorte Brent in US$ / Barrel. Man sieht den extremen Anstieg im letzten Monat

Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.

Erstaunlich robust: die Aktienmärkte

Erstaunlich robust präsentierten sich dagegen in den ersten vier Wochen des Iran-Krieges die Aktienmärkte. Mit am deutlichsten fiel das Minus zwar noch bei den stark exportabhängigen deutschen Aktien aus, insgesamt aber blieben die Verluste begrenzt. Entscheidend für diese insgesamt hohe Stabilität ist die anhaltend sehr gute Gewinnentwicklung bei vielen Unternehmen. Allerdings ist die Bewertung bei etlichen Titeln auch sehr hoch. Die Erwartung bezüglich der Gewinnsteigerungen bei den US-Unternehmen liegt für die kommenden zwölf Monate bei ca. 17 Prozent. Es darf also nicht viel schief gehen. Das Enttäuschungspotenzial, falls die Erwartungen aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllt werden, ist gewaltig.

Dazu kommt ein weiteres Risiko für den Kapitalmarkt insgesamt: Die angespannte Situation bei den privat vergebenen Krediten, den sogenannten Private Credits. In diesem Markt, der inzwischen global auf zwei Billionen Dollar angewachsen ist, gab es laut der Ratingagentur Fitch im vergangenen Jahr bei den Ausfallraten mit 9,2 Prozent einen Rekordwert. Zwar betraf dies bislang vor allem kleinere Firmen, doch dass in dem Bereich ein gewisser Stress vorhanden ist, zeigt sich daran, dass bei privaten Kreditfonds Rücknahmebeschränkungen eingeführt und Auszahlungen limitiert wurden. Unter anderem gab es Probleme bei den Anbietern von Private-Credit-Fonds Blue Owl und Cliffwater.

Aktienmarkt Deutschland und USA

Zeitraum vom 31.03.2021 bis 31.03.2026

Das Chart zeigt die Entwiclung des Ölpreises in für die Sorte Brent in US$ / Barrel. Man sieht den extremen Anstieg im letzten Monat

Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Liquiditätsengpässe – ähnlich wie in der Finanzkrise – auf das gesamte Finanzsystem übergreifen. Dies kommt zur allgemeinen Verunsicherung durch den Iran-Krieg noch hinzu. Auf den ersten Blick überraschend ist deshalb, dass auch Gold seit Ausbruch des Iran-Krieges bislang kein sicherer Hafen ist. Vielmehr brach der Preis für das Edelmetall deutlich ein und notierte Ende März fast ein Fünftel unter seinem Höchststand von knapp 5.600 Dollar. Dies dürfte eine Folge davon sein, dass der Goldpreis schon zuvor deutlich überhöht war. Dagegen kam es beim US-Dollar zu einer leichten Aufwärtsbewegung. Viele Anleger suchen offenbar die US-Währung als Zufluchtsort. 

Vorsichtig bleiben

Angesichts der skizzierten Unsicherheiten sollten Anleger weiter vorsichtig agieren. Manch einer mag zwar darauf vertrauen, dass US-Präsident Trump immer wieder verbale Kehrtwenden macht, um die Märkte positiv zu stimmen, der sogenannte TACO-Trade (Trump Always Chickens Out). Verlassen sollten sich Anleger darauf aber nicht. Dazu kommt, dass es im Vorfeld von Trumps Äußerungen immer wieder zu auffälligen Handelsbewegungen kam, wie zuletzt am Öl-Futuremarkt. Auch das sorgt nicht gerade für Sicherheit bei Investoren.

Stattdessen sollte sich die derzeit enorme Unsicherheit in einer defensiveren Portfolioallokation widerspiegeln. Das heißt zum einen, Zinspapiere zu berücksichtigen. Dies kann im Rahmen einer Barbell-Strategie, der Kombination aus Investitionen am Geldmarkt und in länger laufenden sicheren Staatsanleihen, geschehen. Dazu können sich aktuell inflationsgeschützte Anleihen eignen. Auf der Aktienseite ist es zum anderen nach wie vor empfehlenswert, bei gut gelaufenen Titeln auch mal ein paar Gewinne mitzunehmen. Da aufgrund des unklaren Umfeldes, der hohen Bewertungen und nicht zuletzt der ersten dunklen Wolken im Private-Debt-Bereich weiterhin erhebliche Risiken bestehen, kann sich sogar eine Untergewichtung im Aktienbereich vorübergehend anbieten.

Anleger müssen schließlich auch bedenken, dass wir bislang noch keine wirkliche ausgeprägte Korrektur gesehen haben. Doch könnte das Umfeld aus höheren Zinsen, höherer Inflation und schwachem Wachstum die Unternehmensgewinne unter Druck setzen. Dann kann es möglicherweise noch einmal deutlich stärker nach unten gehen. Im Aktienbereich ist eine breite Diversifikation über Sektoren und Regionen hinweg deshalb weiterhin von entscheidender Bedeutung. Und schließlich kann der niedrigere Goldpreis dazu genutzt werden, um hier wieder erste Positionen aufzubauen.

Fazit

Solange die eingangs beschriebene Unsicherheit anhält, sollten sich Anleger vorsichtig und defensiv positionieren. Allerding kann es jederzeit auch zu einem Ende des Iran-Krieges kommen, was ein Katalysator für eine kurzfristige Rally am Aktienmarkt sein könnte. Aus diesem Grund sollten Investoren sich auch nicht komplett aus dem Markt verabschieden, sondern breit gestreut investiert bleiben.

Sprechen Sie mit uns

Wissen ist gut. Handeln ist besser. Ihr Berater zeigt Ihnen gerne, welchen Einfluss diese Informationen auf Ihr Depot haben. Vereinbaren Sie jetzt einen Gesprächstermin mit Ihrem Berater oder mit unserem Kundenmanagement-Team.

Wichtige Hinweise / Risiken

Dies ist eine Marketingmitteilung. Die Meinungen und Darstellungen in diesem Dokument sind keine Beratung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten und stellen auch keine Anlagestrategie dar. Diese Marketingmitteilung erfüllt nicht die Anforderungen an Research im Sinne von MiFID II / MiFIR und ist auch nicht hierzu gedacht. Die gesetzlichen Vorgaben, die die Unabhängigkeit von Research fördern, werden mit dieser Marketingmitteilung nicht erfüllt. Sie unterliegt auch keinem etwaigen Handelsverbot vor der Verbreitung von Research.

Die Internationales Bankhaus Bodensee AG (kurz „IBB“) muss nicht an den in diesem Dokument genannten Transaktionen beteiligt sein. Alle in dieser Marketingmitteilung dargestellten Meinungen, Einschätzungen, Prognosen, Zahlen, Anlagetechniken und Anlagestrategien dienen nur zu Informationszwecken und basieren auf bestimmten Annahmen und aktuellen Marktbedingungen, die jederzeit ohne Vorankündigung oder nachfolgende Information geändert werden können.

Die Richtigkeit und Vollständigkeit der zugrundeliegenden Annahmen und Marktbedingungen kann nicht garantiert werden kann. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf dieses Dokument, um die Anlageaussichten der erwähnten Wertpapiere oder Produkte zu bewerten. Investoren empfehlen wir deshalb eine unabhängige Bewertung der rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Aspekte mit ihren Beratern und die Abklärung mit diesen, ob die in diesem Dokument genannten Wertpapiere oder Produkte für sie geeignet sind. Stellen Sie sicher, dass Sie vor einer Investition alle relevanten Informationen erhalten.

Die Investition in Kapitalmärkte birgt Risiken. Sie unterliegt den Schwankungen am Kapitalmarkt, die zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen können. So beispielsweise bei geänderten Marktbedingungen aufgrund wirtschaftlicher oder politischer Entwicklungen.

Historische Wertentwicklungen und Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Weitere Informationen zu Kapitalanlagen finden Sie hier. Für den Fall, dass Sie mit uns in Kontakt treten, werden wir Ihre Daten entsprechend unserer Datenschutzrichtlinie erfassen, speichern und verarbeiten. Anrufe können aus Rechtsgründen sowie aus Zwecken der Schulung und Sicherheit aufgezeichnet werden.

 

Verantwortlicher

Verantwortlicher Herausgeber dieser Marketinginformation ist die Internationales Bankhaus Bodensee Aktiengesellschaft, Otto-Lilienthal-Str.8, 88046 Friedrichshafen.

 

Stand

Alle in dieser Marketingmitteilung genannten Daten haben den Stand 02.04.2026, sofern nicht ausdrücklich anders ausgewiesen.