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Krieg im Iran – was das für Anleger bedeutet und wie sie sich verhalten sollten

Andreas Kneidl

Leiter Asset Management

andreas.kneidl@ibb-ag.com
+49 7541 304-413

  • Am 28. Februar haben die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen
  • Während der Ölpreis deutlich gestiegen ist, kamen die Aktienmärkte unter Druck
  • Potenzielle Folgen sind, je nachdem, wie lange der Konflikt dauert, eine höhere Inflation und ein schwächeres Wirtschaftswachstum
  • Da der weitere Verlauf unklar ist, ist ein resilientes Portfolio, das auch sichere Staatanleihen enthält, weiter sinnvoll

Was ist passiert?

Am 28. Februar 2026 haben die USA zusammen mit Israel einen Angriff auf den Iran gestartet. Von dem Krieg ist auch die Straße von Hormus betroffen, durch die täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte transportiert wird. Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs, wobei der Großteil dieser Exporte nach Asien geht. Dazu passieren diese Route rund 20 Prozent des weltweiten Exports an Flüssigerdgas, vor allem aus Katar. Und die Golfregion ist ein Schlüsselstandort für die Düngemittelproduktion.

Welche sind die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen?

Die unmittelbarste wirtschaftliche Konsequenz daraus war ein deutlicher Anstieg des Ölpreises. Für ein Barrell Rohöl der Sorte Brent kletterte der Preis von rund 71 bis auf fast 84 Dollar. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es folglich zwei wesentliche Implikationen: „Das eine ist ein Anstieg der Inflationsrate, bedingt durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise, das andere eine potenzielle Beeinträchtigung des globalen Wirtschaftswachstums, vor allem dann, wenn sich dieser Krieg deutlich in die Länge ziehen sollte“, erklärt Andreas Kneidl, Leiter Asset Management beim IBB Internationales Bankhaus Bodensee.

Ölpreis Brent – US-$ pro Barrel

Zeitraum 05.03.2021 bis 05.03.2026

Das Diagramm zeigt die Preisentwicklung bei der Ölsorte Brent im Zeitraum vom 05.03.2021 bis 05.03.2026

Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.

Was geschah an den Finanz- und Kapitalmärkten?

Grundsätzlich profitieren in Zeiten der Unsicherheit vor allem sicheren Häfen wie Staatsanleihen höchster Qualität. Das heißt, sie werden verstärkt nachgefragt und damit steigen deren Kurse, während die Renditen sinken. In der ersten Reaktion haben die Anleihemärkte allerdings das Szenario einer steigenden Inflationsrate und höherer Zinsen durchgespielt. „Denn nicht die Kurse, sondern die Renditen langlaufender Anleihen sind gestiegen“, erläutert Kneidl. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich diese Einschätzung bei einem länger anhaltenden Konflikt ändert und das Risiko einer Rezession oder zumindest einer wirtschaftlichen Abkühlung an Bedeutung gewinnt.“

Zugleich kam es zu sinkenden Aktienkursen, wovon insbesondere Europa und Asien betroffen waren. „Weil die USA Nettoexporteur von Energie sind, trifft sie die Unterbrechung der Ölversorgung durch diesen Krieg weniger stark als andere Länder“, erläutert Kneidl. Aber auch hier ist die Dauer des Konflikts entscheidend: Sollten die USA die Verteidigungsfähigkeit des Iran unterschätzt haben und der Konflikt länger andauern, würde dies Auswirkungen auf die Ölpreise, die Transportkosten und die Lebensmittelpreise haben. Dann stünden auch die Aktienmärkte unter Druck. Entscheidend ist deshalb, ob ein rasches Kriegsende gelingt.

Wertentwicklung internationaler Aktienmärkte

Indexierte Wertentwicklung in Euro vom 05.03.2021 bis 05.03.2026

Das Diagramm zeigt die Wertentwicklung internationaler Aktienmärkte im Zeitraum vom 05.03.2021 bis zum 05.03.2026

Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung von wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die aktuelle und zukünftige Wertentwicklung.

Soweit es Gold betrifft, profitiert es eigentlich von solchen Krisen. „Tatsächlich kam es auch zunächst zu Zuflüssen in Gold, das kehrte sich jedoch rasch um, worin sich einmal mehr zeigt, dass das Edelmetall aktuell teuer erscheint und zum Spekulationsobjekt geworden ist“, sagt Kneidl. Gesucht wurde schließlich auch der US-Dollar, der einen Anstieg gegenüber dem Euro und anderen wichtigen Währungen verzeichnete.

Was sollten Anleger tun?

„Insgesamt wurde das verkauft, was zuletzt gut gelaufen ist“, erläutert Kneidl. Wer vor allem in risikobehafteten Anlagen investiert war, hat nun eine höhere Volatilität im Portfolio, mit der nicht jeder Anleger zurechtkommt. „Und damit zeigt sich einmal mehr, dass eine breite Diversifikation entscheidend ist“, erklärt der Anlageexperte. „Dazu gehören auch sichere Staatsanleihen. Sie kosten zwar in guten Phasen etwas Performance, dafür bringt das in turbulenten Phasen eine gewisse Stabilität und Ruhe ins Portfolio.“
Sollte doch noch die Befürchtung einer Rezession aufkommen, dann dürften die Anleiherenditen zurückgehen und dann bieten sichere Staatsanleihen ein Gegengewicht zum Aktienanteil. Aber auch der Aktienanteil selbst sollte breit gestreut sein. „Da bieten sich als Gegengewicht zu den Wachstums- und Technologiewerten zum Beispiel Value-Titel als Beimischung an sowie eine breite regionale Streuung“, so Kneidl.
Als Diversifikator kann Gold zwar langfristig Beimischung sinnvoll sein, kurzfristig aber weist es aktuell eine sehr hohe Volatilität auf. „Das wird sich vermutlich fortsetzen, weshalb bei einem starken Kursanstieg auch mal Gewinne mitgenommen werden sollten“, so Kneidl. Mit anderen Worten: Reines Buy-and-hold von Gold ist aktuell keine Lösung. „Zwar ist Gold, wenn man einen langen Anlagezeitraum von zehn Jahren oder mehr hat, schon ein sicherer Hafen, auf kurze Sicht aber ist die Sicherheit trügerisch“, folgert der Anlageexperte. „Denn in zwei Jahren zum Beispiel kann der Kurs auch um ein Drittel korrigieren.“

Fazit

Allein die diversen Ereignisse seit Jahresbeginn – die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicola Maduro, der Griff nach Grönland durch US-Präsident Donald Trump oder der Krieg gegen den Iran – zeigen deutlich, dass wir in einer Welt anhaltender geopolitischer Unsicherheit leben. „Panik ist in solchen Situationen ein schlechter Ratgeber“, sagt Kneidl. „Besser ist es Ruhe zu bewahren und das ist mit einem gut strukturierten und dem eigenen Risikoempfinden entsprechend diversifizierten Portfolio sehr viel einfacher.“

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Stand

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