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Perspektiven für Anleger

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Andreas Kneidl

Leiter Asset Management

andreas.kneidl@ibb-ag.com
+49 7541 304-413

2026 / Ausgabe 5 (September)

  • Im August sind die Renditen langlaufender Staatsanleihen weltweit stark angestiegen
  • Als potenzielle Ursachen werden die Inflation, die mangelnde Haushaltsdisziplin der Staaten weltweit und die Zunahme der KI-bezogenen Anleiheemissionen gesehen
  • Damit gewinnen vor allem hochwertige europäische Staatsanleihen an Attraktivität gegenüber Aktien, sie können zugleich aber auch eine Portfolioabsicherung darstellen

Anleiherenditen auf Rekordniveau.
Ursachen und was es für Anleger bedeutet.

Der Anleihemarkt gilt als eine Art Frühwarnsystem für die Kapitalmärkte. Steigen dort die Renditen, dann kann das auf Verschiedenes hindeuten, auf Krisen, auf steigende Inflationserwartungen oder auf Bonitätsrisiken bei den Emittenten. Und legen die Renditen vor allem bei sicheren Staatsanleihen stark zu, dann gewinnen diese an Attraktivität, was wiederum ein negatives Signal für den Aktienmarkt sein kann. Als Mitte August die Renditen von lang laufenden Staatsanleihen weltweit sprunghaft nach oben gingen, schrillten deshalb bei vielen Marktbeobachtern die Alarmglocken.

Besonders stark war der Anstieg bei den 30-jährigen Staatspapieren: In den USA kletterte deren Rendite am 18.08.2026 auf 5,33 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007, in Japan erreichten sie das Rekordhoch von 4,14 Prozent und in Großbritannien waren es 5,86 Prozent, der höchste Wert seit 1998. Hierzulande notierte die 30-jährige Bundesanleihen bei 3,78 Prozent, der höchste Stand seit 2011, und in Frankreich bei 4,9 Prozent, so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Dazu waren auch zehnjährige Staatsanleihen betroffen: Am US-Markt stieg deren Rendite auf über 4,7 Prozent, hierzulande kletterte sie auf 3,25 Prozent.

Inflation nicht die Ursache

Ein potenzieller Grund für diesen Anstieg war schnell ausgemacht: die Inflation, angeheizt durch das erneute Aufflammen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Doch ob dort wirklich die Ursache liegt, ist fraglich. Dabei hilft ein Vergleich mit dem Jahr 2022: Damals stieg die Inflationsrate zeitweise auf über zehn Prozent, während sie aktuell in der Eurozone bei rund drei Prozent liegt. Auch die über zehn Jahre am Markt erwartete Inflationsrate ist nicht besorgniserregend hoch: sie liegt derzeit bei 2,3 Prozent. Dennoch sind die Renditen von Staatsanleihen deutlich über dem Niveau von 2022. Offensichtlich muss es eine andere Ursache geben.

Dafür, dass nicht die Inflation die Ursache des Renditeanstiegs ist, gibt es noch weitere Argumente: Zum Beispiel die zuletzt moderateren Lohnsteigerungen in den USA, die auf eine Entspannung am US-Arbeitsmarkt zurückzuführen sind, oder dass die Notenbanken diesseits wie jenseits des Atlantiks bereit sind, die Inflation zu bekämpfen. Das scheint nach der Rede des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole auch für die US-Notenbank zu gelten. Warsh sagte dort der über der Zielmarke von zwei Prozent liegenden Inflation klar den Kampf an. Das heißt, sowohl in den USA als auch in der Eurozone sind im September Zinserhöhungen denkbar. Weitere Zinserhöhungen würden zwar das Wachstum beeinträchtigen und wären auch für die Aktienmärkte eher negativ. Dafür könnten höhere Leitzinsen die Inflationserwartungen tendenziell dämpfen und damit auch die Renditen bei langen Laufzeiten perspektivisch wieder stabilisieren oder zumindest der Anstieg begrenzen.

Märkte stellen Frage nach der Haushaltsdisziplin

Dennoch stellt sich die Frage, was dann hinter dem Renditeanstieg steckt. Hier fällt der Blick auf die weltweit zunehmende Staatsverschuldung. In den USA liegt sie inzwischen bei 40 Billionen US-Dollar und damit bei über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Eine ausufernde Staatsverschuldung ist aber auch in Europa, China oder auch Japan, wo die Staatsschulden bei mehr als 200 Prozent des BIP liegen, festzustellen. In Deutschland sind es derzeit zwar nur rund 65 Prozent des BIP, aber auch hier ist aufgrund der Ausgabenprogramme für Infrastruktur und Verteidigung in den kommenden Jahren ein Anstieg zu erwarten. Die Anleihemärkte, so scheint es, stellen zunehmend die Frage nach der Haushaltsdisziplin und der langfristigen Tragfähigkeit der Verschuldung.

Das heißt, die Bondinvestoren fordern eine höhere Risikoprämie für ihre Investments in langlaufende Staatsanleihen, was die Finanzierungskosten der Staaten nach oben treibt. Die USA zum Beispiel müssen in diesem Jahr 1,2 Billionen US-Dollar an Zinsen zahlen. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Allein die Hyperscaler, also große Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta oder Oracle, sollen in diesem Jahr rund 750 Milliarden US-Dollar in die KI-Infrastruktur investieren. Diese Ausgaben werden auch über die Ausgabe von Anleihen finanziert. Das wiederum belastet die Anleihemärkte und stellt eine Konkurrenz für die Mittelaufnahme der Staaten dar, was die Renditen von Staatsanleihen zusätzlich nach oben treibt.

Staatsanleihen werden zum Risiko für den Aktienmarkt

Unter dem Strich bedeutet das, dass Anleihen zunehmend an Attraktivität gegenüber Aktien gewinnen. Als psychologische Grenze gilt bei zehnjährigen Treasuries eine Rendite von 4,8 Prozent. Es ist deshalb auch kein Zufall, dass US-Finanzminister Scott Bessent angekündigt hat, das Ankaufprogramm für langlaufende US-Treasuries zu verdoppeln, als sich die Rendite der zehnjährigen US-Staatspapiere Mitte August dieser Marke näherte. Letztlich wollte er damit die Rendite nach unten drücken und so den Aktienmarkt unterstützen. Dennoch sollten Aktienanleger den Bondmarkt genau im Auge behalten, da dieser eine Gefahr für die anhaltend positive Entwicklung am Aktienmarkt darstellen kann.

Fazit

Vor allem aber lohnt sich ein Blick auf qualitativ hochwertige Staatsanleihen aus Europa. Und zwar aus zwei Gründen: Zum einen bieten zum Beispiel Bundesanleihen derzeit wieder eine positive reale Rendite, also eine Rendite, die über der Inflationsrate liegt, was diese aus Ertragsgesichtspunkten interessant macht. Zum anderen können sichere Staatstitel im Falle eines Einbruchs am Aktienmarkt derzeit wieder eine wirkungsvolle Absicherung im Portfolio darstellen.

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